Auftauchen aus dem Winterschlaf

Weltweit einzigartig: das Technikmuseum U-Boot Wilhelm Bauer in Bremerhaven
Setzt sich für den Erhalt des mehr als 80 Jahre alten U-Bootes ein: Geschäftsführer Klaus Kreowski.
Blick in die Weite des Rumpfes: der enge Durchlass zwischen den Sektionen.
Fasziniert Jung und Alt: die Technik auf dem U-Boot „Wilhelm Bauer“.
Originalgetreu mit Liebe zum Detail: die Funkkabine an Bord.
Großzügig für ein U-Boot: die Offiziersmesse.
Stolz auf die Neuerwerbung: der 2. Vorsitzende Heiko Mross mit dem Torpedovorhaltrechner.
Verwirrend, aber funktional: die Technik an Bord der „Wilhelm Bauer“.

Das U-Boot „Wilhelm Bauer“ vereint in Bremerhaven gelebte Geschichte und Gegenwart

77 Meter lang, graue Tarnfarbe, Geschützturm – wie ein Schatten aus der Vergangenheit liegt die „Wilhelm Bauer“ im Alten Hafen von Bremerhaven. Ein U-Boot. Einsetzen wollte das Hitler-Regime das Technik-Wunder als ultimative Unterwasserwaffe. Ohne je einen Schuss abgegeben zu haben, landete das Boot 1945 auf dem Grund der Flensburger Förde, versenkt von seiner Besatzung. Heute wird das öffentlich zugängliche U-Boot von einem umtriebigen Verein mit Hingabe und Geschichtsbewusstsein gepflegt.

„Die „Wilhelm Bauer“ ist weltweit einzigartig. Die gibt es nur einmal – hier in Bremerhaven“, sagt Klaus Kreowski und zieht beim Gang durch die graue Stahlröhre den Kopf ein. Der kreisrunde Durchlass zwischen Torpedoraum und Mannschaftsbereich ist nichts für große Kerle. „Alles an Bord ist praktisch gebaut. Schließlich konnte dieses Boot im Einsatz komplett unter Wasser bleiben, ohne auch nur einmal aufzutauchen – zu der Zeit eine absolute Innovation“, erklärt der Geschäftsführer des Technikmuseums U-Boot Wilhelm Bauer e.V.

Möglich war das durch den massiven Einsatz von großen Batterien, die ursprünglich einen Großteil des U-Boot-Rumpfes ausgefüllt haben und immer noch zu sehen sind. Sie ermöglichten es, sich stundenlang beinahe geräuschlos unter Wasser zu bewegen. Aufgeladen wurden die Riesen-Akkus per Dieselmaschine, die ihre Abgase über einen Unterwasser-Auslass fast unsichtbar ins Wasser entlassen hat. „Also ein Hochleistungs-Hybrid-Fahrzeug bereits in den 1940er-Jahren“, sagt Kreowski sichtlich begeistert. Kein Wunder, schließlich war der 72-Jährige Ruheständler mal Ingenieur.

Mehr als 90.000 Besucher jährlich sehen sich das U-Boot an

Mehr als 90.000 Besucher vom Kind bis zum Senior gehen jedes Jahr durch das gut 80 Jahre alte U-Boot, klettern durch kleine Luken, staunen über das chaotisch anmutende Sammelsurium von Rohrleitungen, Elektrokabeln, Schalttafeln und Drehrädern überall an der Decke und den Stahlwänden. „Jeder hier an Bord war ein Experte und wusste genau, was zu tun war“, erklärt Heiko Mross, der 2. Vorsitzende des Vereins. Er selbst ist bei der Marine in Bremerhaven und acht Jahre aktiv auf einem U-Boot gefahren. „Gegen unser Boot ist die ,Wilhelm Bauer‘ wie das Hilton-Hotel. Wir mussten uns schichtweise eine Koje teilen. Hier aber hatten viele der 57 Männer an Bord eine eigene Unterkunft.“

Gehoben wurde das versenkte U-Boot in der Flensburger Förde 1957. Als Übungs-Boot nutzte es die Bundesmarine, bis der Bremerhavener Verein die „Wilhelm Bauer“ 1983 übernahm, um es als Museumsschiff zu erhalten und Besuchern zugänglich zu machen. Gerade einmal 30 Mitglieder hat der Verein.  

An Bord: der Vorläufer heutiger Computer

„Viele von uns kommen aus der maritimen Wirtschaft, packen gern mal mit an, und zu tun ist hier an Bord immer was“, sagt Klaus Kreowski. Besonders in den Wintermonaten, wenn das U-Boot-Museum geschlossen ist, wird auf der „Wilhelm Bauer“ gehämmert, geklopft, gemalt oder an der Inneneinrichtung gearbeitet. „Wir wollen dieses U-Boot nicht nur erhalten, sondern es möglichst originalgetreu präsentieren. Gerade aktuell konnten wir einen Torpedovorhaltrechner aus Privatbesitz kaufen – praktisch der Vorläufer heutiger Computer. Davon gibt es nur noch zwei Stück auf der Welt“, erzählt Heiko Mross. 

Die guten Besucherzahlen bescheren dem Verein neben der finanziellen Unabhängigkeit noch etwas: Ehrenamtsprobleme mit dem Anwerben freiwilliger Helfer wie anderswo gibt es hier nicht. „Wir beschäftigen Mini-Jobber – von der Kasse bis zum Handwerker“, sagt Klaus Kreowski. Auch das Geld für die regelmäßigen Werftbesuche kann vom Verkauf der Eintrittskarten finanziert werden. Die „Wilhelm Bauer“ wird dann mitsamt ihres fest verschweißten Besucherstegs von zwei Schleppern ein paar Hafenbecken weiter ins Trockendock gezogen.

Sonderausstellung erinnert an Sinnlosigkeit von Kriegen

Die winzige Kombüse, der Funkraum mit Original-Dokumenten und Wehrmachts-Mütze, die Offiziers-Messe, der Maschinenraum, die Torpedo-Leitstelle: die „Wilhelm Bauer“ nimmt die Besucher auf eindrucksvolle Weise mit auf eine Zeitreise – ohne dabei die ursprüngliche Bestimmung des U-Bootes zu vergessen. 

„Natürlich ist das hier ein Kriegsgerät“, sagt Kreowski, „aber auch eine unglaubliche technische Meisterleistung. Wir zeigen das Können der Ingenieure vor über 80 Jahren - und gleichzeitig in einer Sonderausstellung die Grausamkeit und die Sinnlosigkeit des Krieges.“ Eine Mischung, die offenbar den Wunsch des Publikums trifft: mehr als 90.000 Menschen laufen jedes Jahr durch das enge U-Boot.  Die „Wilhelm Bauer“ gehört damit zu den besucherstärksten Museen in Bremerhaven. 

 

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Bildunterschriften
1: Weltweit einzigartig: das Technikmuseum U-Boot Wilhelm Bauer in Bremerhaven. Foto: Stop press/Helmut Stapel
2: Setzt sich für den Erhalt des mehr als 80 Jahre alten U-Bootes ein: Geschäftsführer Klaus Kreowski. Foto: Stop press/Helmut Stapel
3: Blick in die Weite des Rumpfes: der enge Durchlass zwischen den Sektionen. Foto: Stop press/Helmut Stapel
4: Fasziniert Jung und Alt: die Technik auf dem U-Boot „Wilhelm Bauer“. Foto: Stop press/Helmut Stapel
5: Originalgetreu mit Liebe zum Detail: die Funkkabine an Bord. Foto: Stop press/Helmut Stapel
6: Großzügig für ein U-Boot: die Offiziersmesse. Foto: Stop press/Helmut Stapel
7: Stolz auf die Neuerwerbung: der 2. Vorsitzende Heiko Mross mit dem Torpedovorhaltrechner. Foto: Stop press/Helmut Stapel
8: Verwirrend, aber funktional: die Technik an Bord der „Wilhelm Bauer“. Foto: Stop press/Helmut Stapel