Wenn der gelbe Doppeldecker am Containerterminal Bremerhaven die Sicherheitsschleuse mit ihren beiden Schranken passiert hat, beginnt eine Reise, die es so kein zweites Mal in Deutschland gibt. Eine Rundfahrt über eine der längsten Kajen Europas, durch Schluchten von Containern, vorbei an hochbeinigen Fahrzeugen, direkt zu den gewaltigen Kränen und den größten Frachtschiffen der Welt. Seit April 2001 verbindet der HafenBus das, was Bremerhaven ausmacht: maritime Wirtschaft, globale Warenströme und die Neugier der Menschen, hinter die Kulissen eines der größten Häfen Europas zu blicken. Aus einer ungewöhnlichen Idee ist längst ein fester Bestandteil des touristischen Angebots geworden. Mehr als 25.000 Menschen besteigen jährlich die beiden auffällig gelben Doppeldeckerbusse.
Am Anfang standen zwei Dinge: Ein alter Bus und eine Idee
Den HafenBus in Fahrt zu bringen, war vor 25 Jahren alles andere als selbstverständlich. Ein ausrangierter Berliner Linienbus und ein paar hartnäckige Touristiker trafen auf große Skepsis im Hafen: Touristen aufs Terminal? Das geht nicht! Dass die Besucher heute zwischen Containerbrücken, Autoterminal und Werften unterwegs sind, ist das Ergebnis zahlreicher Gespräche – und der Überzeugung, dass dieser Hafen gezeigt werden muss. „Der HafenBus steht wie kaum ein anderes Angebot für die Authentizität Bremerhavens. Wer hier mitfährt, erlebt die Stadt so, wie sie wirklich ist: direkt, lebendig und immer im Wandel“, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. „Wir sind den Terminalbetreibern bis heute mehr als dankbar, dass wir den exklusiven Zugang auf die Kajen bekommen haben und damit Bremerhavens auf eine einmalige Weise vorstellen können.“
Auch die 1226. Tour wird Dagmar Riepenhusen nicht langweilig
„Dicke Pötte“ nennen die Bremerhavener beinahe liebevoll die Containerschiffe. Die Schiffe werden größer, die Abläufe komplexer – und die Geschichten an Bord gehen nie aus. Einen besonderen Blick darauf hat Gästeführerin Dagmar Riepenhusen. Die Jubiläumfahrt im HafenBus wird ihre 1.226. Tour sein, und „es war noch nie langweilig“, sagt sie. „Der Hafen verändert ständig sein Gesicht.“ Ihre Vorbereitung ist akribisch: Sie liest Fachmedien, studiert Schiffspläne und pflegt ihre Kontakte in die Hafenunternehmen, um keine Neuigkeit zu verpassen. Notizen braucht Dagmar Riepenhusen dafür nicht. „Was ich einmal lese und höre, das hab ich drauf“, sagt sie.
Überraschende Reaktionen der Fahrgäste
Was die Gästeführerin immer wieder überrascht, sind die Reaktionen ihrer Fahrgäste. „Wenn Bremerhavener mitfahren und danach sagen: Das habe ich nicht geglaubt, was hier los ist – dann merkt man, wie besonders diese Tour ist.“ Für Touristen aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Bayern sei die Wucht der Anlagen ohnehin überwältigend. Wenn der Bus vor einem der riesigen Containerschiffe stoppt, werde es oft still im Oberdeck. „Die bekommen den Mund vor Staunen gar nicht wieder zu.“
13 Gästeführer:innen sind auf dem Hafenbus einsetzbar, eine intensive Schulung und Prüfung gehört zum Standard. Neben Deutsch gibt es die Rundfahrten im Chartergeschäft auch auf Wunsch in Englisch und: Plattdeutsch. Isabel Wienberg vom Gäste- und Partnermanagement der Erlebnis Bremerhaven kennt die Zahlen. Österreicher, Dänen und Schweizer Gruppen chartern häufiger den kompletten Bus, aber sie hat auch schon eine Tour für die NATO organisiert und Dagmar Riepenhusen erinnert sich an eine Fahrt mit dem Generalbundesanwalt.
Der Hafen ist faszinierend
Der Berliner Doppeldecker fuhr neun Jahre als Hafenbus – aber Bremerhavens Wind erwies sich als wenig vorteilhaft für das Cabriolet, erinnert sich Uwe Kuhlmann. Der ist Busfahrer in Berlin mit Bremerhavener Wurzeln und begeisterte Bremerhavens damaligen Tourismusförderer Hennig Goes schon 1999 sehr schnell von der Idee, eine besondere Stadtrundfahrt anzubieten. Und dann kam ein Jahr später Jochem Schöttler ins Spiel, ein Touristiker aus Nordrhein-Westfalen, den es der Leidenschaft für die Küste wegen nach Bremerhaven zog. „Der Hafen hat mich wahnsinnig fasziniert“, sagt er. Und so folgte ein Jahr lang stakkatoartig eine Nachfrage auf die andere an die BLG und Eurogate, die Containerterminals für Rundfahrten zu öffnen. „Ich hab die ohne Ende genervt“, erinnert sich Schöttler. "Geht nicht" lautete die immer gleiche Antwort, "warum nicht?" die regelmäßige Nachfrage. Mit Erfolg. Schöttler versicherte, eine festgeschriebene Strecke zu nehmen, nicht anzuhalten, niemanden aussteigen zu lassen und: auch das Fotografieren auf dem Terminal nicht zu erlauben. Wegen der Sicherheit.
Der HafenBus war vom Start weg erfolgreich. „Wir wollten anfangs nur an Wochenenden fahren, aber die Leute haben uns die Tickets aus der Hand gerissen“, sagt Schöttler, der inzwischen wieder in seiner Heimat ein Café und Restaurant betreibt. Bis zu dreimal täglich drehte der Bus seine Runde, nach vier Jahren wurde ein zweiter Doppeldecker gekauft, seit dem Jahr 2015 sind die beiden aktuellen Modelle im Einsatz. Geblieben ist die Idee: möglichst nah heran ans Geschehen. Rund 25.000 Kilometer legen die Busse jährlich zurück, zusätzlich zu Sonderfahrten für Schulklassen oder Kreuzfahrtgäste. In Spitzenzeiten nutzten bis zu 38.000 Menschen pro Jahr das Angebot. „Wir freuen uns, die Betriebssicherung solch eines erfolgreichen touristischen Bausteins zu verantworten und die vielen Gäste immer wieder für Bremerhaven zu begeistern“, sagt Robert Haase, Vorstand der Verkehrsgesellschaft Bremerhaven AG, die seit 25 Jahren für die Fahrzeuge und das Fahrpersonal für die Hafenbus-Touren zuständig ist. „Seit dem Start unterstützen wir die Entdeckungstouren als zuverlässiger Partner und schaffen so gemeinschaftlich mit der Erlebnis Bremerhaven faszinierende Momente.“
Das sind die Profilthemen von Bremerhaven
Warum der Hafenbus so erfolgreich ist, weiß Schöttler nur allzu gut: Er ist nicht inszeniert, kein künstliches Erlebnis, sondern steht für einen Blick auf echte Arbeit in einem global vernetzten Hafen. „Das war uns von Anfang an wichtig“, sagt er, „und das ist so noch heute“, ergänzt Andreas Hugle, Leiter Destinationsentwicklung der Erlebnis Bremerhaven. “Hafen, Wissenschaft und Fisch sind unsere Profilthemen - dafür steht Bremerhaven.”
Der Hafenbus hat Schule gemacht – In Hamburg hat man den Erfolg in Bremerhaven gleich registriert und zum Anlass genommen, ein Jahr später ein ähnliches Produkt zu kreieren, das aber nie ans Bremerhavener "Original" herankam. „Aber wir freuen uns natürlich sehr über die Glückwünsche aus Hamburg, die uns erreicht haben“, sagt Gerber.
Gratisfahrt für alle 25-Jährigen
Zum 25. HafenBus-Geburtstag startet die Erlebnis Bremerhaven GmbH nun eine besondere Aktion: Alle, die 2026 ebenfalls 25 Jahre alt werden, können gratis mitfahren. Tickets sind in der Tourist-Information am Neuen Hafen erhältlich oder können per E-Mail bestellt werden; beim Einstieg ist ein Ausweis vorzulegen. touristik@erlebnis-bremerhaven.de
Ein Vierteljahrhundert nach der ersten Fahrt ist der HafenBus mehr als eine Rundtour. Er ist ein Stück Bremerhaven auf Rädern – und eine Einladung, genauer hinzuschauen.
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Bildunterschriftern:
- Seit 25 Jahren erfolgreich: Der HafenBus in Bremerhaven. Foto: Mailin Knoke_Erlebnis Bremerhaven
- Mehr als 1200 Mal ist sie auf dem Containerterminal unterwegs gewesen mit dem HafenBus: Gästeführerin Dagmar Riepenhusen. Foto: Brockmann_Erlebnis Bremerhaven
- Vor 25 Jahren Start mit einem alten Linienbus aus Berlin: der HafenBus. Der Wagen fährt noch heute in Hannover. Foto: Archiv Erlebnis Bremerhaven


